NEBENWIRKUNGEN UND KONTRA-INDIKATIONEN       DER HYPERBAREN SAUERSTOFFTHERAPIE

Klaustrophobie (Platzangst)

Kommt eher selten vor: in ca 3% (1) in einer Einmannkammer und in ca. 4 % der Patienten in der Mehrpersonenkammer führt sie zu Angstzuständen. In unserer eigenen Erfahrung der letzten 29 Jahren erlebten wir Klaustrophobie in nur 2% der Patienten. Oft, gewöhnen sich die Patienten an der Druckkammer nach ein paar Behandlungen.

Druckschaden des Mittelohrs

Zwischen 13% (2) und 17% (3) der Patienten haben Beschwerden in Form von Taubheitsgefühl, Ohrendruck bis zum starken Ohrenschmerz. Die Beschwerden verschwinden ohne Behandlung oder mit Nasentropfen innerhalb einiger Tage. Manchmal muss die Behandlung deswegen während einigen Tagen unterbrochen werden. Diese Nebenwirkungen (4, Klassifikation nach Teed) können durch einen langsamen Druckanstieg (5) vermieden werden. Wenn der Patient erkältet ist oder eine Grippe hat, sollte er vorsichtshalber die Behandlung unterbrechen bis es ihm besser geht, weil er den Druckausgleich während der Kompressionsphase nicht beherrschen könnte.

Druckschaden der Nebenhöhlen

Kommt selten vor. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. In den 30 Jahren meiner Tätigkeit haben wir es noch nie erlebt. Der Schaden findet meistens beim Druckabfbau statt, äussert sich durch Schmerzen und blutigen Nasenschleim, meistens an den Kieferhöhlen. Behandelt wird mit langsamem Druckabbau und reichlich Nasentropfen, Schmerzmittel bei Bedarf.

Druckschaden der Lungen

Weniger als 1/100'000 Behandlungen. Haben wir noch nie erlebt. Vorsicht ist geboten bei Patienten, die bereits einen Pneumothorax hatten oder bei Patienten mit Bullae (5). Lungentransplantation ist im Gegensatz keine Kontra-Indikation für HBO (6). Wenn es passiert, ist es in der Dekompressionsphase, die Behandlung muss noch in der Druckkammer mittels Drainage stattfinden (7).

Sauerstofftoxizität des Zentralen Nervensystems

Nur in der Form eines epileptischen Anfalles des Grand Mal Typs. Die Frequenz liegt bei Patienten ohne Risikofaktoren und einem Kompressionsdruck von 240-250 kPa zwischen 1 Anfall auf 12'000 bis 14'000 Kompressionen. Folgeschäden sind nicht bekannt. EEG ist normal. Es gibt keine individuelle zerebrale Überempfindlichkeit gegen Sauerstoff. Die Gehirndurchblutungr (rCBF, 8) wird plötzlich erhöht, weil die Abwehrmechanismen (eNos 9, INos 10) gegen die vielen freien Sauerstoffradikale im Gehirn plötzlich überfordert werden.

Sauerstofftoxizität der Lunge

Ist in der klinischen ambulanten hyperbaren Sauerstofftherapie belanglos (11). Um einen Schutz zu erreichen, werden Sauerstoffpausen in der Mitte der Behandlung routinemässig durchgeführt (12). Seltene Fälle wurden bei intensivmedizinisch behandelten Patienten erwähnt.

Sauerstofftoxizität der Augen

Bis zu 30% der Patienten, die mit HBO (250 kPa, 1,5 bar Überdruck) behandelt werden, entwickeln eine vorübergehende Myopie nach 30 aufeinander folgenden Behandlungen. Diese Zahl ist grösser, wenn die Patienten Sauerstoff in einer Haube statt durch eine Gesichtsmaske (13) inhalieren. Bis jetzt wurde dafür keine eindeutige Erklärung gefunden (14). Nach einigen Monaten ist aber alles wieder wie vorher (15,) daher erübrigt sich eine augenärtzliche Untersuchung.

aktualisiert 06-Déc-2017